Renale Sympathikusdenervation

 Nierenarterien-Verödung

Der Überaktivität des sympathischen Nervensystems, vor allem der efferenten und afferenten renalen Sympathikusfasern, kommt bei der Entwicklung einer arteriellen Hypertonie und der Entstehung von Komorbiditäten eine entscheidende Bedeutung zu.

Wir wenden seit 2012 als erstes Zentrum in Darmstadt die renale sympathische Denervation als innovatives Verfahren an. Dabei wird über einen femoralen Zugang ein spezieller Ablationskatheter in die Nierenarterien eingebracht, über dessen steuerbare Spitze ein hochfrequenter Strom appliziert wird. Dieser führt zu einer fokalen Erwärmung von 45 bis 70°C, die zu einer Verödung der in der Adventitia liegenden sympathischen Fasern führt. Pro Nierenarterie werden – je nach Gefäßlänge – bis zu sechs Ablationspunkte spiralförmig gesetzt. Der in Analgosedierung durchgeführte Eingriff dauert etwa 40 – 60 Minuten.

In den Simplicity-HTN1- und –HTN2-Studien führte die renale Denervation zu einer signifikanten und anhaltenden Senkung des Praxisblutdruck um -32/-12 mmHg nach 6 Monaten. Die Rate der non-responder, d.h. ein Absinken der Blutdruckwerte um weniger als 10%, lag dabei nach 24 Monaten Nachbeobachtungszeit bei ca. 10% und nach 36 Monaten bei annähernd 0%. Ein hoher systolischer Ausgangs-Blutdruck sowie das Vorliegen eines Diabetes mellitus waren mit einer ausgeprägteren Blutdrucksenkung assoziiert. Neuere Untersuchungen zeigen einen positiven Einfluss der renalen Denervation auch auf den Glucosemetabolismus. Effekte bei Schlaf-Apnoe-Syndrom, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen sind derzeit Gegenstand klinischer Studien.

Das Vorliegen einer sekundären Hypertonie muss, ebenso wie eine Pseudoresistenz, vor einer renalen Dernervation systematisch ausgeschlossen werden. Die Indikationsstellung erfolgt in unserem Zentrum interdisziplinär zusammen mit Kardiologen, Nephrologen und Hypertensiologen. Auf eine optimale pharmakologische Therapie und entsprechende Medikamentenadhärenz des Patienten ist zu achten. Analog zu den Einschlusskriterien der Simplicity-Studien wenden wir das Verfahren nur bei therapierefraktären Patienten an, die trotz optimaler antihypertensiver Therapie mit mehr als drei Substanzen einen systolischen Blutdruck > 160 mmHg, bzw. > 150 mmHg bei Diabetikern aufweisen. Die glomäruläre Filtrationsrate (GFR) sollte > 45 ml/min betragen, Nierenarterienstenosen bzw. frühere Interventionen an Nierenarterien müssen ausgeschlossen werden.